Die Erlöserkirche, JerusalemDie Erlöserkirche in Jerusalem gehört zum herausragenden deutschen Kulturerbe im Ausland. Sie wurde auf Veranlassung des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. zwischen 1893 und 1898 errichtet und 1898 eingeweiht. Das beeindruckende Bauwerk ist auf den Fundamenten der Kreuzfahrerkirche Santa Maria Latina nahe der Grabeskirche erbaut. Die Erlöserkirche, Predigtstätte der „Evangelisch-Lutherischen Gemeinde Deutscher Sprache zu Jerusalem“ und der arabischsprachigen Jerusalemer Gemeinde der „Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land“ (ELCJHL), ist heute allein durch das Russische Hospiz von der kreuzfahrerzeitlichen Anlage der Grabeskirche getrennt.
Bereits bei den Ausschachtungen zur Gründung der Kirche meinte man, die vom berühmten jüdischen Schriftsteller Josephus Flavius erwähnte „Zweite Mauer“ – die Stadtmauer aus der Zeit Jesu – gefunden zu haben. Das war ein Markstein für die stadtgeschichtliche Forschung an sich, aber auch für die Lokalisierung des Ortes der Kreuzigung Jesu und der Grabeskirche: Seit fast zwei Jahrtausenden kommen christliche Pilger nach Jerusalem. Sie wollen wissen, inwieweit die Erinnerungslandschaft Jerusalem mit den historischen Fakten verbunden ist. Auf die sogenannte „Zweite Mauer“ wurde 1893 in einem symbolischen Akt der Grundstein der Erlöserkirche gesetzt.
Das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes führte bereits zwischen 1970 und 1974 eine Grabung unter der Erlöserkirche durch. Dies war die einmalige Chance, in dem für die historische Stadtentwicklung Jerusalems bedeutenden christlichen Viertel grundlegende archäologische Erkenntnisse zu gewinnen. Die Ergebnisse dieser Ausgrabung haben in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts gemeinsam mit der nahe gelegenen Ausgrabung der britischen Archäologin Kathleen Kenyon international große Aufmerksamkeit gefunden.
ProjektplanDie geplante „Museale und touristische Erschließung der Altgrabung unter der Erlöserkirche in Jerusalem“ soll die einmalige Möglichkeit eröffnen, im christlichen Viertel der Altstadt Jerusalems die historisch gewachsene Stadt in ihren unterschiedlichen Zeitschichten real zu begehen und dabei deren historische wie religionsgeschichtliche Bedeutung zu erschließen.
Mit dieser Maßnahme soll die Ausgrabungsstätte unter der evangelischen Erlöserkirche in der Altstadt Jerusalems
- durch entsprechende bauliche Maßnahmen öffentlich zugänglich gemacht,
- ein Besucherleitsystem entwickelt,
- die museale und mediale Präsentation der wissenschaftlichen Ergebnisse und Funde der Ausgrabung erarbeitet und didaktisch-medial umgesetzt,
- die wesentlichen stadt-, kultur- und religionsgeschichtlichen Bezüge in der Ausstellung und der Ausgrabung selbst vermittelt und
- eine Begleitpublikation, die einzelne Aspekte und Themen vertiefend aufgreift, erstellt werden.
Das Vorhaben ist ein Kooperationsprojekt mit dem Fachbereich Architektur und Städtebau/Fachrichtung Architektur, Restaurierung, Denkmalpflege der FH Postdam
Prof. Vieweger & Ministerpräsident Platzeck und läuft seit März 2009. Die Studierende erstellten eine Machbarkeitsstudie zur den Möglichkeiten der Begehbarmachung.
Das nachhaltige Interesse des Landes Brandenburg wurde sowohl durch die finanzielle Unterstützung des Pilotprojektes als auch mit dem Besuch von Ministerpräsident Platzeck am 19.03.2009 in Jerusalem zum Ausdruck gebracht. Laut Platzeck "... leisten die jungen Leute durch ihre Arbeit hier einen ganz persönlichen Beitrag zum interkulturellen und interreligiösen Dialog."
Der Durchführungszeitraum für das gesamte Vorhaben ist zwischen 2010 und 2012 angesetzt.