2015 – 2020

2015 – 2020

Im Juni 2015 richtete das DEI in Kooperation mit der Hebräischen Universität und finanzieller Unterstützung der Fritz-Thyssen-Stiftung den Workshop „Quo vadis ‚Biblical Archaeology‘? Past, Present and Future of Archaeology in the Southern Levant“ aus. Die 30 Teilnehmer aus Israel und Deutschland deckten in ihren Vorträgen das gesamte Spektrum der „Biblischen Archäologie“ ab.

Im August 2015 begann das DEI die auf ein Jahrzehnt angelegten Ausgrabungen auf dem anglikanisch-protestantischen Friedhof und auf dem Zionsberg in Jerusalem. Das Ziel der ersten Kampagne war es, die antiken Mauern auf dem Friedhof, von denen man durch frühere Grabungen (Bliss und Dickie sowie Pixner, Chen und Margalit) wusste, wieder sichtbar zu machen, sodass sie der weiteren archäologischen und historischen Forschung zugänglich sind. Dazu gehörten eine umfassende Befunddokumentation, die Vermessung der Kontexte und eine 3D-Rekonstruktion der Altgrabungsbereiche.

Zwischen 2016 und 2020 erforschte das DEI das sich an diese Stadtmauern anschließende antike Stadtgebiet Jerusalems, das auf dem Zionsberg durch das südwestliche Stadttor betreten werden konnte (Areale I und III). Dabei wurden Wohngebiete der hellenistischen, frührömischen, spätrömischen, spätantiken sowie umayyadischen Epochen nachgewiesen und archäologisch dokumentiert.

Der Zionsberg (Südwesthügel) von Jerusalem; Blick von Süden mit den Ausgrabungsarealen des DEI, © Yehiel Zelinger, IAA.
Übereinanderliegende Torschwellen aus frührömischer (1), hadrianischer (2) und spätantiker Zeit (3), ©BAI/DEI.

In Areal I konnten zudem die frührömische Stadtmauer mit dem sog. „Essenertor“, die spätantike Stadtmauer sowie in Areal III der ayyubidische Trockengraben um den Zionsberg freigelegt werden.

Mosaik der spätantiken Villa in Areal II,
©BAI/DEI
Dem DEI wurde vom griechisch-orthodoxen Patriarchat und den Heiligen Synod die besondere Ehre zuteil, auch auf deren Landbesitz archäologische Forschungen zu unternehmen. Dazu gehört das Areal II im Zentrum des „Griechischen Gartens“, in welchem das DEI 2018 eine byzantinische Villa sowie einen gut erhaltenen Mosaikboden mit Blütenrapportmuster ausgraben konnte. Dank für die finanzielle Unterstützung der Ausgrabungen auf dem Zionsberg geht an die Fritz-Thyssen-Stiftung, der Gerda-Henkel-Stiftung sowie der Wissenschafts-Förderungsgesellschaft Düsseldorf gGmbH.

Im September 2015 fand die erste Kampagne der geophysikalischen Untersuchung zur Lokalisierung der sog. „Zweiten Mauer“ im christlichen und muslimischen Viertel der Altstadt Jerusalems statt. Hierbei handelte es sich um eine Kooperation des DEI Jerusalem mit Ingenieuren der Technischen Universität Ilmenau, finanziert durch die DFG.

In der ersten Kampagne wurden die lokalen Messbedingungen geprüft und anfallende Probleme gelöst. Es konnten erste Georadar-Messungen im Tiefschnitt unter der Erlöserkirche, auf dem Hof der ehemaligen Luther-Schule und in einer Kreuzfahrerhalle an der Davidstraße vorgenommen werden. Von 2016 bis 2019 fanden jährlich weitere Messkampagnen in den Straßen und Gassen der Altstadt statt. Da die Wege sehr eng und dicht mit Kanalisation, Wasser- und Elektroleitungen durchzogen sind, kam es zu Überlagerungen und Störungen in den Radargrammen. Ein Scannen entlang der vermuteten Mauerkrone erwies sich als wenig zweckmäßig, da es kaum möglich war, zwischen Störungen und Mauerreflektion zu unterscheiden. Beim Scannen quer zur Mauerkrone gab es eindeutigere Indizien, die auf das Vorhandensein der „Zweiten Mauer“ hinweisen. Die Straßen wurden sechsfach abgescannt. Wenn gleiche Datenmuster auftraten, wurden diese als möglicher Anhaltspunkt für das Vorhandensein eines Mauerstumpfes gewertet. Insgesamt ergaben sich daraus drei Bereiche (in der Via Dolorosa, in der Al-Wad Straße und im Suq HaBasamim), die verlässliche und reproduzierbare Indizien einer größeren Mauerkrone zeigten. Aufgrund dieser Ergebnisse wird nunmehr der alternativ diskutierte, weit nach Norden gezogene Bogen der Stadtbefestigung, dessen Nordwestausdehnung fast bis zum Damaskustor reicht, ausgeschlossen.

Prognostizierter Verlauf der „Zweiten Mauer“, © BAI/DEI.
Testvehikel mit Bodenradar in den Gassen Jerusalems, ©BAI/DEI.

Katharina Schmidt trat im Jahr 2016 die Leitung des Instituts in Amman an.

Im Mai 2016 wurde eine weitere Herausforderung mit der Säuberung, Vermessung, stratigrafischen Einordnung und Restaurierung der Doppel-Miqve (jüdisches Ritualbad) auf dem Gelände des anglikanisch-protestantischen Friedhofs auf dem Zionsberg angenommen. In Kooperation mit einem Team um Estelle Thierry (Alpha International e.V.) wurde die Doppel-Miqve zwischen 2017 und 2022 aufwendig im Auftrag des DEI und mit Mitteln des Auswärtigen Amtes restauriert. Wir danken dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland und der Wissenschafts-Förderungsgesellschaft Düsseldorf gGmbH für die Förderung des Projektes.

Doppel-Miqve aus frührömischer Zeit, © BAI/DEI

Im Januar 2017 begann ein Kooperationsprojekt zwischen dem DEI und dem Department of Antiquities of Jordan (DoA) mit dem Titel „DOJAM – Dokumentation von Objekten in jordanischen archäologischen Museen“. Das Ziel des Projektes bestand in der Erhaltung und Inventarisierung der archäologischen Objekte, die in den Museen Jordaniens lagern oder ausgestellt sind. Beginnend mit den Arbeiten im Zitadellen-Museum Amman wurden bis 2025 alle archäologischen Funde in staatlichen Museen Jordaniens in einer zentralen Datenbank erfasst und fotografisch dokumentiert. Hinzu kamen Restaurierungstätigkeiten und die wissenschaftliche Aufarbeitung einzelner Fundgruppen. Großer Dank gebührt der Gerda-Henkel-Stiftung für die Förderung des Projekts.

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