2020 – 2026

Der archäologische Park unter der Erlöserkirche „Durch die Zeiten“ zog bis zur Covid-19 Pandemie jährlich bis zu 30.000 Besucher an. Im Zuge der Pandemie durfte der Park nur noch auf Anfrage geöffnet werden. Während 2022 und 2023 die Besucherzahlen erneut anstiegen, brach durch den Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 und dem folgenden Gaza-Krieg (2023-2025) der Tourismus erneut ein. Außerdem wurden keine Jahresvolontäre, die für die Durchführung von Führungen von großer Bedeutung waren, nach Israel/ Palästina entsandt.

Die im Jahr 2015 begonnenen Grabungen am Zionsberg in Jerusalem wurden bis zum Jahr 2026 fortgesetzt. Während der vom DEI im Jahr 2020 durchgeführten Kampagne konnten in Areal I mehrere Stadtmauern nachgewiesen und deren stratigrafische Einordnung grundlegend erforscht werden. Die älteste Mauer dieses Bereiches (hellenistisch) liegt innerhalb des Stadtgebiets nahe der heute gut sichtbaren spätantiken Stadtmauer. Die wenige Jahrzehnte später errichtete hasmonäische Mauer wurde unmittelbar außerhalb derselben entdeckt (Kasemattenmauer). Die frührömische (möglicherweise herodianische) Stadtmauer mit dem sog. „Essenertor“ und einem Turm wurde schließlich durch ein freistehendes Tor unter Hadrian und mit einer spätantiken Stadtmauer (Mauer, Tor und Turm) überbaut. Damit besaß das südöstliche Stadttor drei Strata. Im Areal I und ebenso in allen anderen Arealen der Grabung des DEI konnte keine alttestamentliche Mauer nachgewiesen werden. Nicht einmal Haus- oder Terassierungsmauern der Eisenzeit (d.h. der alttestamentlichen Zeit) konnten aufgefunden werden. Damit muss eine flächenmäßig geringere Ausdehnung Jerusalems während der Eisenzeit II (Königtum Hiskia) angenommen werden.  

Modell der Altstadt von Jerusalem vom Jahr 69 n. Chr. von Conrad Schick mit den vermuteten Mauern zu unterschiedlichen Epochen durch das DEI, ©BAI/DEI.

Das DEI grub in den Jahren 2021 und 2022 im Bereich des unteren (Areal IV) und des oberen Klostergartens (Areal V) der Dormitio-Abtei vor allem spätantike Wohnbereiche und eine in Nord-Süd-Richtung verlaufende spätantike Straße aus. Zudem konnten die Grabungen des DEI nicht nur einen Teil des prachtvollen spätantiken Gebäudes der Hagia Sion (Areal VIII) freilegen, sondern auch die mittelalterliche Ummauerung der Kirche aus der Kreuzfahrerzeit. Den Mönchen des Benediktinerordens sei für ihre freundliche Genehmigung unserer Grabungsarbeit herzlich gedankt. Des Weiteren gilt der Dank des DEI für alle Grabungen auf dem Zionsberg ab 2020 der Wissenschafts-Förderungsgesellschaft Düsseldorf gGmbH.  

Gedenkstein im „German Garden“, © Mareike Duin.
Im Jahr 2021 wurde auf Initiative des DEI am Ostanhang des Auguste-Victoria-Geländes der „German Garden“ eingerichtet. Eine großzügige Spende in memoriam Rolf Julius Schwarz-Schütte machte die Neugestaltung des Geländes möglich, welches seitdem zu einem Ruhepunkt und Begegnungsort für Patienten, Krankenhausmitarbeiter und ansässigen Institutionen avancierte. Im selben Jahr baute das DEI die seit 100 Jahren brachliegende „Power Station“ unmittelbar neben dem Institut zu einem großen Fundlager um. Damit konnte ein wesentlicher Teil des Platzproblems im Institutsgebäude gelöst werden.

In Kooperation mit der Hebräischen Universität Jerusalem erforschte das DEI von 2022 bis 2024 das antike Tiberias. Das Projekt wurde von Katia Cytryn (Hebräische Universität Jerusalem) und Katja Soennecken (DEI Jerusalem & LSRS Luxemburg) geleitet. Das Ziel der gemeinsamen Forschungen war es, das antike Zentrum von Tiberias weiter zu erkunden. Besonderes Augenmerk galt dabei der religiösen Bedeutung der Stadt, die nicht nur für das Judentum, sondern ebenso für das Christentum und den Islam von besonderer Relevanz ist.

Mit der deutschen Schule Talitha Kumi in Beit Jala startete das DEI im Jahr 2022 das Projekt „Meine Heimat – meine Geschichte“. In einem dreiwöchigen Projekt werden die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse jährlich mit der großen Geschichte und der archäologischen Vergangenheit ihrer Lebenswelt vertraut gemacht. Jenseits von politisch oder religiös aufgeladenen Geschichts-Narrativen beabsichtigt das Programm, den Schülern einen spannenden, kreativen und vor allem ideologiefreien Zugang zu der Geschichte ihrer Heimat zu vermitteln.

Im Jahr 2022 übernahm Dr. Brita Jansen die Leitung des Instituts in Amman.

Im Dezember 2022 begannen die Bauarbeiten am Pilger- und Wissenschaftszentrum auf dem Ölberg. In unmittelbarer Nähe zur Himmelfahrtskirche starteten die Arbeiten mit dem Abriss der alten Gebäude und dem Ausheben einer Baugrube. Der Neubau wird neben Büro- und Konferenzräumen auch die Sammlung des DEI aufnehmen. Die Bauarbeiten sollen bis Ende 2027 abgeschlossen sein.

Das ursprünglich für das Jahr 2023 geplante 125-jährige Jubiläum des DEI musste aufgrund des Angriffs der Hamas am 7. Oktober 2023 abgesagt werden.

Im Jahr 2024 fand die von Katja Soennecken organisierte internationale Konferenz „Auf der Suche nach Identität im archäologischen Befund“ an der Luxembourg School of Religion & Society statt. Dabei stand die Frage im Vordergrund, inwieweit auf Basis sog. „kultureller Marker“ – also Häufungen bestimmter Keramikstücke, Architekturformen oder Bestattungssitten – Aussagen über die (ethnische) Zugehörigkeit von Bewohnern antiker Städte getroffen werden können.

Konferenzteilnehmer „Auf der Suche nach Identität im archäologischen Befund“, © BAI/DEI.

Vom Patriarchat der Melkitischen Griechisch-Katholischen Kirche erhielt das DEI 2025 einen Grabungsbereich am Westhang zum Hinnomtal zur Erkundung der dortigen Stadtmauern (Areal VII). In der Kampagne wurden Mauern aus hellenistischer und spätantiker Zeit gefunden. Da wiederum keine eisenzeitliche Mauer vorgefunden wurde, erhärtet dies die These des DEI, welche bereits aus den Erkenntnissen der Grabung von Areal 1 aufgestellt wurde, dass die alttestamentliche Stadt des 8. Jhd. v. Chr. (zurzeit König Hiskias) kleiner als zunächst angenommen war. Der Westen des Zionsberges war daher vermutlich nicht ummauert. Für die Durchführung der Grabung auf dem Gelände der melkitischen Kirche spricht das DEI dem Patriarchat und ebenso für die Finanzierung durch die Wissenschafts-Förderungsgesellschaft Düsseldorf gGmbH seinen herzlichen Dank aus.

Das Areal I der Grabung auf dem Zionsberg wurde vom DEI großflächig gesichert, um die Vorbereitungen zur Eröffnung eines archäologischen Parks im Süden Jerusalems zu schaffen. Zudem wurde eine Zuwegung sowie eine Besucherterasse vom DEI geschaffen. Dabei wurden 2/3 des Grabungsgeländes zugeschüttet und die Steilabfälle durch Maher Mushasha befestigt. Von September bis Oktober 2025 wurde das verbliebene Areal mit seinen Stadtmauern, Toranlagen und Türmen von der Firma Wanja Wedekind restauriert.

Im Sommer 2025 begann die Restaurierung eines Hofhauskomplexes zum Heritage House in Umm Qēs. Die Restaurierung erfolgte mit historischen handwerklichen Methoden und trägt so zum Kulturerhalt in der Region bei.

Die artesische Quelle auf dem Tall Zirāʿa im Jahr 2007, ©BAI/DEI .
Am Tall Zirāʿa wurde im Oktober 2025 die 9. Grabungskampagne des DEI (Leitung: Dieter Vieweger) durchgeführt.  Das Ziel der Kampagne war es, die artesische Quelle zu erforschen. Die Quelle in der Mitte des Talls schuf über Jahrtausende beste Siedlungsmöglichkeiten, da sie das ganze Jahr über die Wasserversorgung der Siedlung sicherte. Seit 2011 ist der Quellmund ausgetrocknet. Zur völligen Überraschung fehlten im ausgegrabenen Quellteich wie bei den drei Jahre zuvor durchgeführten Bohrungen der Universität Kiel unter Federführung von Stefan Dreibrodt die beiden wichtigsten Besiedlungsphasen – die Bronze- und die Eisenzeit. Es wurden keine durchgehenden Steinmauern zur Auskleidung der Quellwände, wie sie z.B. in Byblos gefunden wurden, entdeckt. Die für die Bronze- und Eisenzeit typischen Trockenmauerkonstruktionen wurden im ausgegrabenen Gebiet nicht identifiziert. Die Datierung der vorliegenden Quellkonstruktionen ist frührömisch. Weitere Untersuchungen stehen noch aus.

Vom 5.-9. Oktober 2026 erfolgt nach mehrmaligem Aufschub die Jubiläumskonferenz zum 125-jährigen Bestehen des DEI zum Thema „New Archaeological Research in the Holy Land“ zusammen mit einem Festempfang für die Gäste des DEI. Die Veranstaltungsorte sind Jerusalem und Bethlehem. Die Konferenz soll in die Zukunft weisen und den Austausch zwischen internationalen Archäologinnen und Archäologen fördern. Des Weiteren begeht das DEI Amman am 12. Oktober 2026 sein 60-jähriges Jubiläum.

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