16. Modell einer "Wein- und Traubenkelter"

Das Modell hat die Maße 11,5 x 24 x 32 cm. Dalman schreibt hierzu in „Arbeit und Sitte in Palästina”: „Da in Palästina heute vom arabischen Volk wenig Wein und nicht überall Traubenhonig gemacht wird, sind im Gebrauch befindliche Keltern nicht allzu häufig. Eine Traubenhonigkelter … hatte bei balat im nördlichen Galiläa 1899, als ich sie untersuchte, folgende Gestalt. Zwei gepflasterte Tretplätze … waren nebeneinander in einen flachen Berghang geschnitten, getrennt und auf drei Seiten umrandet von einer … Lage von behauenen Steinen, mit einer … Rückwand und dazu aufsteigenden Seitenwänden … In der Rückwand öffnete sich hinter jedem Tretplatz … eine … Nische, in welche ein … Preßbalken … mit angebundenem rundem Gewichtsstein … eingesetzt werden kann. … Durch den Vorderrand beider Tretplätze führt ein kleines Loch zu einer dem Rande parallel laufenden Rinne, welche ihrerseits durch Ablaufrinnen mit drei … Trögen … zusammenhängen. Neben dem linken Tretplatz ist ein … Trog … hergestellt, der für den vorher in den Keltertrögen durch längeres Stehen abgeklärten Traubenhonig bestimmt ist. Der Herstellung des Traubenhonigs … dient gegenüber den Tretplätzen ein … ummauerter runder Platz, … In seinem Hintergrund ist ein von außen heizbares Loch ausgehöhlt, auf welches der Kupferkessel … zum Kochen des Traubenhonigs gesetzt wird. Ein Rührlöffel … mit runder durchlöcherter eiserner Scheibe an langem Holzstiel dient zum Rühren beim Kochen. Er wird dabei auf einen in den Boden eingelassenen niedrigen Stein gestützt, um ihn heben und senken zu können. … Für die Herstellung von Wein wird derselbe Tretplatz benutzt.”[1]
Die beiden letzten Modelle Dalmans im Institut in Jerusalem führen uns ins heutige Jordanien – genauer nach Petra. Diese heute so berühmte Hauptstadt der Nabatäer hat Dalman als einer der Ersten besucht und erforscht. Ein Ergebnis seiner Forschungen war die detaillierte Wiedergabe zweier Höhenheiligtümer in Modellform.

aus: Heinemann, Olliver, Die Gustaf-Dalman-Sammlung in Jerusalem. Christ-Sein und Palästinawissenschaft: Alkier, Stefan et al. (Hg.), Zeichen aus Text und Stein (TAnZ 42; Tübingen 2003) 88–109.


[1] Ebd., S.354f. und Abb. 95; vgl. Abb.96; PJ 5 (1909), S.11.